Vom Kloster zur Kirchengemeinde

Der Überlieferung nach riefen um 1234 zwei ortsadlige Edelfrauen „von Schlüsselberg“ in Gutenzell eine klösterlich lebende, aber nicht durch Gelübde gebundene Gemeinschaft ins Leben. Die Stammburgen der Edelfreien von Schlüsselberg lagen in der Umgebung von Gutenzell beim heutigen Gutenzeller Waldfriedhof, am oberen Ilgenweiher und auf dem Moosbachkopf bei Kirchberg. Urkundlich beglaubigt begann die Geschichte des Frauenklosters Gutenzell 1237. In diesem Jahr nahm der Salemer Abt Eberhard  I. von Rohrdorf die „Cella Dei“ (Gotteszelle) in den Zisterzienserorden auf. Vor dem offiziellen Gründungsdatum bestand an dieser Stelle schon ein schlichter Vorgängerbau des 12. oder 13. Jahrhunderts. Spuren im Mauerwerk des heutigen Gotteshauses weisen bis in diese Zeit zurück. Bereits diese spätromanische Kirche trug das Patrozinium der Hl. Kosmas und Damian. Sie waren christliche Ärzte im vorderen Orient, die zur Ehre Gottes Kranke unentgeltlich behandelten. Unter Diokletian gefoltert, starben sie den Märtyrertod durch Enthauptung. Sie wurden als Nothelfer gegen Pest und Aussatz angerufen.



Abbildung des Klosters an der Decke des Altarraums

Gutenzell von Nordwesten - Blick auf den Klosterbezirk


Papst Gregor IX. bestätigte dem Kloster 1238 die Ordensregel und gewährte den Nonnen die damit verbundenen Privilegien. Kaum war die Klosterkirche 1336 im frühgotischen Stil ausgebaut, da vernichtete ein verheerender Brand die Abteigebäude. Der Wiederaufbau, der gut zwanzig Jahre in Anspruch nahm, gipfelte in der Errichtung einer dreischiffigen hochgotischen Basilika, die fortan zugleich als Pfarrkirche diente. Das um das Koster entstehende Dorf übernahm den Namen des Klosters, indem aus „bona Cella“ (gute Zelle) Gutenzell wurde.

Als Reichsabtei besaß das Kloster Sitz und Stimme auf Reichs- und Kreistagen. Den Blutbann erhielt Gutenzell ab 1685. Die geistliche Aufsicht übten bis 1753 der Abt von Salem und danach der Abt von Kaisheim aus. Durch den Reichsdeputationshauptschluss wurde das Gebiet des „Adeligen Reichsstifts „ Gutenzell mit seinen Weilern Graf Joseph August von Toerring als Ersatz für seine verlorene linksrheinische Herrschaft Gronsfeld zugesprochen. Am 9. März 1803 ergriff er von seiner neuen Reichsgrafschaft Besitz. Schon 1806 aber wurde sie Teil des neuen Königreichs Württemberg. Die Klosterfrauen durften ihr gemeinsames Leben weiter fortsetzen. Am 6. März 1851 starb die letzte Gutenzeller Zisterzienserin M. Violantia Miller 84jährig. 1864 wurde der Konventbau bis auf einen Teil des Ostflügels, der 1865 zum Pfarrhaus umgebaut wurde, abgebrochen.

Erster Ortspfarrer wurde 1803 Josef Alexander Rugel. Sein Anliegen: Die Reform der Seelsorge in der seiner Meinung nach vernachlässigten Klosterpfarrei. Mit seinen Reformen nicht einverstanden war bis 1809 die letzte Äbtissin Maria Justina von Erolzheim. Erst nach deren Tod am 10. April 1809 war Pfarrer Rugel endgültig der geistliche Herr von Gutenzell. Letzter Ortspfarrer mit Wohnsitz im Gutenzeller Pfarrhaus war ab 1982 Prälat Ludwig Haas. Ab Dezember 1994 übernahm Pfarrer Willburger die Pfarreien St. Urban Reinstetten, St. Kosmas und Damian Gutenzell, St. Alban Hürbel und Mariä Opferung Laubach. Daraus entstand ab 2000 die Seelsorgeeinheit St. Scholastika deren Pfarrsitz Reinstetten ist. Das inzwischen leerstehende Pfarrhaus in Gutenzell wurde zwischen 2009 und 2011 zum katholischen Gemeindezentrum umgebaut. Dabei entstand auch wieder der Kapitelsaal aus der Barockzeit. Er steht kirchlichen und weltlichen Gruppen für Veranstaltungen zur Verfügung. Auch das Standesamt kann in diesem festlichen Rahmen Trauungen vornehmen.

Verfasser: Karl Linder